JOE MEEK


 

Joe-Meek-Platten in Deutschland

Teil 4: Coverversionen

 

( here!)

Bei deutschen Plattenfirmen erschienene Coverversionen von Meek-Produktionen. Joe Meek selbst war an keiner dieser Aufnahmen direkt beteiligt (mit Ausnahme von Alle Mädchen wollen küssen/Be Mine; dazu mehr am Ende dieser Seite).

 

Interpret Titel Jahr Label Bestell- Nr Track

 

Apollo 100 Telstar 73-04 BASF 05 19111-1 A

 

Apollo 100 war ein kurzlebiges Klassik-Rock-Projekt des britischen Komponisten und Arrangeurs Tom Parker, dem ein einziger Hit mit der Bach-Bearbeitung Joy beschieden war, wenig erfolgreich gefolgt von Mendelssohn's Fourth. Diese einfallslos hingeorgelte Telstar-Version war Parkers dritte Single, doch der Satellit blieb auch kommerziell am Boden kleben. Dass die Hülle dann noch nicht einmal "Telstar", sondern dessen sowjetischen Kollegen "Sputnik" zeigt, rundet den Gesamteindruck ab. - Als kleines Kuriosum am Rande sei festgehalten, dass zu Parkers Studioband auch der Drummer Clem Cattini gehörte, der schon in der Originalfassung von Telstar trommelte.

 

Ashton, Bud & His Group Robot 63-?? Ariola 10308 B

 

 

Berry, Mike Tribute To Buddy Holly 75-?? Hansa 16443 AT A

 

In den Mittsiebzigern wurde Mike Berry von holländisch-belgischen Radiopiraten wiederentdeckt, was zu einigen Veröffentlichungen auf dem holländischen Pink-Elephant-Label führte. Darunter war dieses Remake seines eigenen Erfolgstitels von 1961. Diese Neufassung enthält Streicher, außerdem hat sie Berry angeblich von Hollys Witwe absegnen lassen. Er erreichte damit im Oktober 1975 Platz 2 der niederländischen Charts. In Deutschland wurde die Platte auf dem Hansa-Label veröffentlicht. Doch auch die fälschlich auf dem Cover aufgestellte Behauptung, die Platte sei "Nr. 1 in Holland" gewesen, half ihr nicht, in Deutschland ging sie sang- und klanglos unter.

 

Felgen, Camillo Irgendwann erwacht ein neuer Tag (Telstar) 62-?? Electrola E 22328 A

 

Die Telstar-Melodie enthält Intervallsprünge, die deutlich an Zarah Leanders Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh'n von 1942 erinnern. Vielleicht sind es diese Sprünge, die Carl Ulrich Blecher einen Text eingegeben haben, der dieser alten Durchhaltenummer in nichts nachsteht. Aber wer weiß, vielleicht liegt's auch nur daran, dass Herr Blecher im wirklichen Leben Zahnarzt war. Felgens pathetischer Gesang tut ein Übriges, das Stück für heutige Ohren ziemlich ungenießbar zu machen.

Laut GEMA-Werkverzeichnis muss Felgen mehrere Fassungen dieses Songs veröffentlicht haben, anscheinend für verschiedene Alben, möglicherweise auch für Fernsehshows. Als jeweilige musikalische Subbearbeiter werden Jože Privšek, Herbert Gabriel, K. Becker und Erich Becht genannt. Es ist nicht mehr feststellbar, wessen Bearbeitung auf dieser Single zu hören ist.

 

 

1963 ist die obengenannte deutsche Telstar-Version auf La Voix de Son Maitre 7EGF 624 A auch in Frankreich erschienen.

 

Herold, Ted Tribute To Buddy Holly 88-?? AZ HM 5064 A

 

Ted Herold (= Harald Schubring) muss - zumindest im deutschsprachigen Raum - nicht vorgestellt werden und hätte einen besseren Fotografen verdient. Produzenten dieser Platte sind Mike Gibson und Joe Hamborn (letzterer heißt im wirklichen Leben Helmut Müller und ist Besitzer der Plattenfirma).

 

Leclerc, Fud Johnny, vergiß mich nie! (Johnny Remember Me) 62-?? Polydor 24569 B

 

Die deutsche Fassung von Geoff Goddards Erfolgskomposition Johnny Remember Me; den deutschen Text lieferte Werner Cyprys (bekannt durch sein Ensemble Friedel Hensch & die Cyprys, dem die Menschheit so unsterbliche Klassiker wie Das alte Försterhaus und Der Mond von Wanne-Eickel verdankt). Vermutlich ist Cyprys auch Produzent und Arrangeur dieser Platte.

Fud Leclerc war ein belgischer Sänger mit richtigem Namen Fernand Urbain Dominique (= F. U. D.) Leclercq, der sein Land zwischen 1956 und 1962 viermal ohne Erfolg beim "Grand Prix Eurovision de la Chanson" (wie er damals noch hieß; heute "Eurovision Song Contest") vertrat. Er trat kurz als Filmschauspieler in Erscheinung, später arbeitete er eine Zeitlang als Pianist für Juliette Gréco und wurde dann Bauunternehmer. Er lebt heute im Ruhestand in Brüssel.

 

Paris, John & Chor Zwei gold'ne Ringe (Put A Ring On Her Finger) 61-?? Philips 345104 PF A

 

John Paris war ein Liverpooler Jazzsänger mit akademischer Gesangsausbildung, der 1953 nach vielen Reisen und Tourneen in Frankfurt gestrandet war. Er wurde Sprecher beim Hessischen Rundfunk und nahm etliche Platten auf, die er selbst nicht mochte, zumal er seines (eigentlich unauffälligen) Akzents wegen meist den Deppen zu geben hatte (etwa Darling, ich dich lieben so, ebenfalls auf Philips erschienen - Krampf dieser Art fand man damals lustig, jedenfalls gab es etliche Platten auf diesem Humorlevel; am bekanntesten wahrscheinlich Gus Backus' Bohnen in die Ohren). 1958 trat Paris ohne Erfolg zum Vorentscheid des Grand Prix Eurovision de la Chanson an. In den 60er Jahren verlegte er sich schließlich auf die Gastronomie. Paris verstarb 1979 in Frankfurt.

Der deutsche Text zu Joe Meeks Komposition Put A Ring On Her Finger stammt von Gustav Auerbach. Mehr Informationen zum Song siehe im nächsten Absatz.

 

Paul, Les & Ford, Mary Put A Ring On My Finger 61-?? Philips 322317 BF B

 

Über Les Paul und Mary Ford muss man kein Wort sagen; sie sind längst selbst Klassiker. - Joe Meek schrieb bereits seit Mitte der 50er Jahre gelegentlich Songs. Einer davon gelangte zu dem Produzenten George Martin, der mit dem Sänger Eddie Silver eine Platte daraus machte: Put A Ring On Her Finger. Der Song floppte in England, aber in den USA hörten Les Paul & Mary Ford das Lied und nahmen 1958 eine Coverversion auf, die in die US-Top-40 gelangte (in Deutschland wurde die Platte allerdings erst drei Jahre später veröffentlicht). Zum ersten Mal überhaupt verdiente Meek Geld mit einer Komposition. Es folgten weitere Coverversionen des Songs, u. a. von Tommy Steele. Insgesamt brachte Meek diese (musikalisch nicht allzu bemerkenswerte) Komposition rund 3000 Pfund ein, was heute (2008) ungefähr 120.000 Pfund (= 195.000 US-Dollar oder 133.000 Euro) entsprechen würde. Mit diesen Tantiemen gründete Meek 1960 seine eigene Plattenfirma Triumph Records.

Les Paul übrigens, befragt, ob er wisse, wer Joe Meek sei, gab an, diesen kaum zu kennen - was nicht unbedingt verwunderlich ist, denn Meek hatte den Song unter seinem Pseudonym Robert Duke geschrieben. Als man Les Paul berichtete, dass Meek Aufnahmemethoden anwende, die den seinen sehr ähnlich seien, sagte er: "Nicht zu fassen, das zeigt mal wieder, wie nah einem jemand sein kann, der so weit weg ist!" - Les Paul verstarb am 13. August 2009.

 

Rothe, Frank Die Legende von Buddy Holly (Tribute To Buddy Holly) 76-?? Aladin 1C 006-45902 A

 

Der deutsche Text dieser Coverversion stammt von dem Schlagersänger und -produzenten Peter Orloff; der Originaltitel ist sowohl auf dem Label als auf dem Cover falsch angegeben.

Tribute To Buddy Holly, wie das Original korrekt heißt, wurde geschrieben von Geoff Goddard und war im September 1961 mit Joe Meeks stimmlicher Holly-Reinkarnation Mike Berry veröffentlicht worden. Der Song war Meeks stimmungsvoller Nachruf auf seinen großen Helden, inklusive effektvoll eingesetztem Peggy-Sue-Zitat. Mike Berry erhielt für seine Single ein Dankschreiben von Hollys Hinterbliebenen, über Frank Rothes Fassung ist bislang nichts dergleichen bekannt geworden.

 

Schubert, Herbert F. Hallo Sweetheart (Don't You Think It's Time) 62-12? Electrola E 22503 A

Herbert F. Schubert war ein bekannter Tänzer, Choreograph und Teenagerschwarm der 50er und 60er Jahre. Er leitete das ZDF-Fernsehballett, war aber auch im "seriösen" Fach tätig; u. a. arbeitete er mit Gustaf Gründgens zusammen. Als Sänger war er weniger erfolgreich. Schubert lebt in Berlin und tritt gelegentlich noch als künstlerischer Berater für Showveranstaltungen in Erscheinung.

Der deutsche Text der Meek-/Goddard-Komposition stammt von Fred Landor, über den wenig herauszufinden ist.

Herbert F. Schubert

 

Spotnicks Space Ship Rendevous (The Outlaws) ? Polydor 52206 A

 

Steele, Tommy Put A Ring On Her Finger ??-?? Decca DL 25010 B

 

Anmerkungen zu dem Song siehe oben unter Les Paul & Mary Ford.

 

Timmerman, Gert He-jo, Südwind (Wild Wind) 62-?? Telefunken U 55396 A

 

Das Original hieß Wild Wind und wurde gesungen von John Leyton. Wie alle anständigen Joe-Meek- bzw. Geoff-Goddard-Songs kommt auch Wild Wind nicht ohne Tod aus ("Hey there, wild wind, when my time is done / Carry my soul beyond the sun / Far away, wild wind"). Der deutsche Text von Vielschreiber Günter Loose (der u. a. auch einige Johnny-Cash-Nummern eindeutschte) ist nur ein matter Abglanz: "He-jo Südwind, wenn die Wolken zieh'n / Möchte ich gerne mit ihnen flieh'n / Bring mich heimwärts, Südwind". Außerdem enthält der Originalsong eines von Meeks wohl wildesten Chor-Arrangements, mit dem die Kopie ebenfalls nicht annähernd mithalten kann.

Gert Timmerman (* 8. Juni 1935) ist ein in Holland sehr erfolgreicher Sänger und Schlagerkomponist, der sich in den sechziger Jahren - wie etliche seiner Landsleute - auch an einigen deutschsprachigen Titeln versuchte. Der Erfolg hielt sich in diesem Fall in Grenzen. Timmerman bekehrte sich 1974 zum Baptismus, von dem er sich später wieder lossagte, wirkte an Missionssendungen des EO ("Evangelische Omroep") mit und lebte eine Zeitlang in Israel. In späteren Jahren hatte er jede Menge Ärger mit seiner Familie und seinem Management und verbarg sich deshalb zeitweilig vor der Presse. 2006 wirkte er als "Hotelier" in der Reality-Show "Hotel Big Brother" des niederländischen Fernsehens mit, aus der er nach 55 Tagen aus Gewissensgründen wieder ausstieg. In letzter Zeit war Gert Timmerman gelegentlich wieder in Fernseh-Missionsprogrammen zu sehen.

Gert Timmerman, ca. 1963

 

Wolf, Donald Gold in der Sierra (Only The Heartaches) 63? Decca D 19556 A

 

Cover-Rückseite (Detail)

Das Original hieß Only The Heartaches und wurde gesungen von Joe Meeks nordenglischem Cowboy Houston Wells. Geschrieben hatte den Titel Wayne P. Walker, der deutsche Sub-Texter war Dolf Bokler, der auch mit einigen weiteren western- und fernwehorientierten Texten wie Gold in Nevada oder Ich wollte reich sein und trampte nach Westen in Erscheinung trat und ansonsten eher volkstümliche Stimmungstexte wie Tsching Bumm! und Ahoi Hammonia lieferte. Arrangeur und Bandleader dieser Platte war kein Geringerer als Ladi Geisler - jener, der im Orchester von Bert Kaempfert den legendären "Knackbass" spielte.

Donald Wolf hieß im wirklichen Leben Eberhard Werthmann, seine auf der Hüllenrückseite erwähnte Dissertation trägt den Titel: "Die Entwicklung der deutschen Schallplattenindustrie, ihre gegenwärtige Situation und ihre Marktformen", mit der er im Juni 1958 von der Karl-Franzens-Universität Graz zum Dr. rer. pol. promoviert wurde.

Titelblatt von Eberhard Werthmanns Dissertation, 1958

Offenbar stand Eberhard Werthmann bereits in einem kaufmännischen Beruf, als er an einem Gesangswettbewerb teilnahm. Der brachte ihm einen Job als Back-up-Sänger bei Kai Warner (= Werner Last, Bruder des Bandleaders James Last) ein, der damals als Filmmusikarrangeur arbeitete und zusammen mit Wolfgang Roloff das Duo "Die Blizzards" bildete. Dieser Wolfgang Roloff wiederum spielte auch in einem weiteren Duo, den "Colorados", die Eberhard Werthmann zeitweilig als Band bei seinen ersten Ausflügen als Solosänger begleiteten.

Der Sänger und Tontechniker Wolfgang Roloff war bereits seit 1954 unter mehreren Pseudonymen in verschiedenen Combos aktiv (Bob & Eddy, Valerie-Trio, Otto Bänkel und andere). Er stand bei Teldec (damals noch Telefunken-Decca) unter Vertrag und hat anscheinend auch Werthmann dort untergebracht. Die Plattenfirma setzte beide Sänger auf die damals populäre Cowboys- und Seeleute-Welle und schickte sie konkurrierend ins Rennen. Eberhard Werthmann wurde zu Donald Wolf, und aus Wolfgang Roloff wurde Ronny.

Damit war die Gemeinsamkeit aber auch beendet. Die Karriere von Ronny hob nach einiger Zeit ab; 1964 hatte er drei Hits: Oh My Darling Caroline und Kleine Annabell erreichten die Nummer 1, Kein Gold im Blue River erklomm immerhin noch Platz 5. - Ronny wurde später Schlagerkomponist und -produzent und schrieb Lieder unter anderem für Heintje; mit seiner Komposition Sierra madre del sur hatte er 1970 als Sänger zwar nur mäßigen Erfolg, aber diverse spätere Coverversionen unter anderem der Kastelruther Spatzen sicherten dem Stück einen Platz in der ewigen Bestenliste des volkstümlichen Schlagers.

Auch Donald Wolf machte eine Reihe von Platten, aber ihm war kein kommerzieller Erfolg vergönnt. Gold in der Sierra war schon sein dritter Anlauf, und da er sich offenbar selbst keine realistischen Karrierechancen mehr ausrechnete, hatte er sich hauptberuflich bereits dem Wirtschaftsjournalismus zugewandt, als diese Platte veröffentlicht wurde. 1964 erschien noch eine Single von Donald Wolf: Die richtige Liebe / Adios, Pasado, Vorbei. Der Titel der B-Seite erwies sich als prophetisch, es blieb seine letzte Platte. Im Spätsommer 1965 nahm er mit dem Orchester Martin Böttcher zwar noch zwei Songs auf (Thank You, My Darling, Goodbye / Wer weiß, wohin die Sonne uns führt) und konnte am 12. Januar 1966 einen davon sogar im ZDF-Boulevardmagazin "Die Drehscheibe" vorstellen, aber auf Platte erschienen die Lieder nicht mehr.

Nach dem Ende seiner Karriere als Donald Wolf führte die Sonne Eberhard Werthmann in ein deutlich erfolgreicheres Berufsleben als Kaufmann. Um 2000 herum ist er in Hamburg verstorben (das genaue Datum ist nicht mehr herauszufinden). Die Hinterbliebenen engagierten Ladi Geisler für die Trauerfeier - doch erst, als man dort eine Platte von Donald Wolf spielte, wurde Geisler klar, wer der Verblichene vor langer Zeit einmal gewesen war.

Donald Wolf (= Eberhard Werthmann), 1963

 

* * *

 

 Alle Mädchen wollen küssen / Be Mine

Be Mine, 1959 englisch gesungen von Lance Fortune, war Joe Meeks erster Top-10-Hit. Hier hat ausnahmsweise einmal Joe Meek einen deutschen Schlager gecovert.

Das Stück, ein Ohrwurm erster Ordnung, wurde 1958 von Tobby Lüth, Joe Menke und Mario Panas (= Leo Leandros) mit dem Titel Alle Mädchen wollen küssen geschrieben. Gesungen wurde der Song zunächst 1959 von Leo Leandros als B-Seite seiner Single Carmen Ramona. Diese Version dürfte die Vorlage für Joe Meeks Coverversion mit Lance Fortune gewesen sein. Dessen Fassung wiederum wurde 1960 auf deutsch von Peter Kraus als A-Seite "zurückgecovert".

Leo Leandros

 

Leandros, Leo Alle Mädchen wollen küssen (Be Mine) 59-?? Philips 345127 PF B

 

Die Originalversion, 1959.

 

Fortune, Lance Be Mine 60-?? Metronome B 1396 B

Deutsche Pressung

 

Englische Pye-Originalpressung

Die Coverversion von Joe Meek, 1959. Der englische Subtexter war Marcel Stellman. Hinter dem musikalischen Leiter "Johnny Prendy" verbirgt sich der Komponist und Arrangeur John Barry.

 

Kraus, Peter Alle Mädchen wollen küssen (Be Mine) 60-?? Polydor 24209 A

 


Die Coverversion der Coverversion, 1960. Sie orientiert sich am englischen John-Barry-Arrangement.

 

Als ein typischer Schlager der späten fünfziger bzw. frühen sechziger Jahre wurde das Stück noch mehrfach nachgespielt:

 

Bertram, Rainer Alle Mädchen wollen küssen (Be Mine) 60-?? Tempo 773 A

Auch wenn er irgendwann das Billiglabel Tempo verließ und zur angesehenen Polydor wechselte: Als Sänger war Rainer Bertram kein großer Erfolg beschieden. 1964 hängte er die Musik an den Nagel. Nach einem kurzen Zwischenspiel als Schauspieler in Wien wurde er einer der meistbeschäftigten Fernsehshow-Regisseure des deutschen Fernsehens bis in die achtziger Jahre hinein.

Rainer Bertram, ca. 1960

 

Crim, Christopher Alle Mädchen wollen küssen (Be Mine) ? Roxy C 646

Einseitig bespielte Schallfolie, frühe sechziger Jahre

 

Frey, Hanno Alle Mädchen wollen küssen (Be Mine) ? Prima 22

Einseitig bespielte Schallfolie, frühe sechziger Jahre

Prima war ein Schallfolienlabel des auf Comics und Heftromane spezialisierten Erich-Pabel-Verlages.

Auf beiden oben gezeigten Platten ist dieselbe Aufnahme zu hören. Sie stammt ursprünglich von dem Münchner Billiglabel Starlet, das sie an verschiedene andere Billiglabels lizenzierte.

Die Namen Hanno Frey und Christopher Crim sind natürlich Pseudonyme. Der dahinterstehende Sänger trat zumeist unter dem Namen Tim Olaf in Erscheinung; unter diesem Namen existierte sogar eine Autogrammkarte (siehe unten). Aber auch Einspielungen als Tid Felder, Eddy de Groot und Gerd Wienand sind bekannt; als "Solm-Brothers" sang er im Multiplay-Verfahren sogar zweistimmig. Unter diesen Namen (und möglicherweise auch als Ronny Merten, Fred Solm und Hilmar Stephan) arbeitete er für diverse Billiglabels, unter anderem für Bobby, Hallo, Imavox (eine Prima-Tochter), Terra-Ton, Tip-Top und Tonika. Mit dem Bosporus Blues gelang Tim Olaf (unter diesem Namen) 1961 dann sogar der Sprung aufs Ariola-Label. Ein letztes Mal taucht sein Name 1962 auf einer Platte des Tip-Labels auf, danach verliert sich seine musikalische Spur. Tim Olafs wirklicher Name ist Clemens Faulstich, er dürfte aus dem Raum München stammen, hat Mitte der fünfziger Jahre eine Lehre bei einem großen Konzern absolviert und war ein Jugendfreund der Schauspielerin Christiane Rücker, mit der er von 1965 bis 1968 auch verheiratet war. Über seinen weiteren Verbleib ist nichts bekannt.

Clemens Faulstich, ca. 1960 - Pseudonyme: Tim Olaf, Christopher Crim, Tid Felder, Hanno Frey, Eddy de Groot, Gerd Wienand, Solm-Brothers und wahrscheinlich noch weitere Namen

 

Nebenbei bemerkt: Billiglabels waren ein Phänomen der fünfziger und sechziger Jahre, in den Siebzigern gaben die meisten auf (einige stiegen dann allerdings auf Kinder-Hörspielplatten und -cassetten um und erreichten damit zum Teil phänomenale Verkaufszahlen). Sie veröffentlichten Coverversionen populärer Hits, die sie mit zumeist produktionstechnisch einfachen Mitteln von unbekannten Sängern und Instrumentalisten einspielen ließen und zu niedrigem Preis über Kaufhäuser, Supermärkte und Tankstellen vertrieben (in Amerika nennt man diese Firmen "Drugstore-Labels"). Die Platten von Billiglabels wurden und werden in den Hitlisten nicht berücksichtigt; man darf aber davon ausgehen, dass deren Platten in den sechziger Jahren zu hunderttausenden in deutschen Partykellern, auf Gartenfesten und Kegelabenden rotierten.

Dass Sänger und Instrumentalisten auf Billiglabels erschienen, bedeutet nicht zwangsläufig, dass sie zweitklassige Musiker gewesen sein müssen. Einige der Sessionmusiker etwa, die für das Münchner Label Tempo arbeiteten, gehörten zum Orchester Max Greger; auch weiß man, dass Mitglieder der Hamburger Hardrocker Lucifer's Friend (die wiederum personelle Querverbindungen zum Orchester James Last hatten) unter diversen Phantasienamen für das Billiglabel Europa arbeiteten. Die Arbeit für solche Plattenfirmen war insbesondere für Instrumentalisten eine durchaus lukrative Einnahmequelle; gar nicht so selten war sie sogar der Brotjob, der ihnen unter Pseudonym die finanzielle Beweglichkeit gab, unter ihrem realen Namen die Musik zu machen, die sie wirklich machen wollten.

Die Pseudonyme der Sänger und Musiker, die für Billiglabels arbeiteten, sind kaum zu knacken, zumal diese Firmen nicht selten auch Aufnahmen diverser Sänger unter Sammelpseudonymen zusammenfassten. Im Rundfunk und Fernsehen wurden Platten dieser Firmen niemals gespielt, so dass die Personen hinter den Pseudonymen fast immer unbekannt blieben. Und die GEMA, die die Pseudonyme natürlich registriert hat, gibt selbst dann keine Auskunft, wenn deren Träger längst verstorben sind. - Im Regelfall waren die Sänger und Musiker an den Plattenumsätzen nicht beteiligt, sondern erhielten einmalige Session-Honorare. Dass sie unter etlichen Pseudonymen für diverse Labels arbeiteten, war daher besonders für Vokalisten unumgänglich, anders hätten sie kaum überleben können.

 

Garlands, The Alle Mädchen wollen küssen (Be Mine) ? London DL 20334 A

 

Dies ist eine Instrumentalfassung, ursprünglich in den USA unter dem Titel Be Mine auf Kapp Records 329 B veröffentlicht, aber für die deutsche Veröffentlichung zog die Plattenfirma den hierzulande vertrauteren deutschen Titel vor. (In den 50er und 60er Jahren war es üblich, ausländischen Instrumentaltiteln - manchmal absurde - deutsche Titel zu geben; die englische Sprache war damals bei Deutschen und Österreichern nicht sehr verbreitet, und man wollte den Kunden ersparen, sich im Plattenladen an englischen Titeln die Zunge verstauchen zu müssen.) Über die Garlands gibt es keinerlei Informationen, wahrscheinlich handelt es sich um Studiomusiker, die unter einem Phantasienamen vermarktet werden sollten.

 

Gerry, Bob Alle Mädchen wollen küssen (Be Mine) ? Baccarola 25030 ?

 

Gerry, Bob Alle Mädchen wollen küssen (Be Mine) 60-?? Baccarola 26014 B1

Auch "Bob Gerry" ist eines jener typischen Billiglabel-Pseudonyme. Der Sänger mit dem wirklichen Namen Werner Hass (* 25. Dezember 1927) begann seine Karriere in den 50er Jahren mit den "Singenden Vier" in der DDR, erhielt dort Arbeitsverbot und kam 1959 in die Bundesrepublik. Als Solist und zusammen mit seiner Schwester Ilse (dann als "Geschwister Haas" - aus naheliegenden Gründen) veröffentlichte er etliche Platten auf Telefunken, Decca, später auch auf Metronome, Polydor und Ariola sowie auf Tefifon-Bändern. Daneben arbeitete er unter den Pseudonymen Bob Gerry, Pat Hardy und wahrscheinlich auch Ted Hobbs für die Billiglabels Baccarola und Opera. Zudem wirkte Hass in Günter Neumanns damals sehr bekannter RIAS-Radiokabarettgruppe "Die Insulaner" mit und trat in etlichen Sendungen von und mit Hans Rosenthal auf. 1973 stellte ihn der Berliner Senat als Referent für Künstlerförderung ein. Hass lebt heute in Berlin und Florida.

Werner und Ilse Hass, frühe 60er Jahre

 

Gerry, Bob Alle Mädchen wollen küssen (Be Mine) 60-?? Bertelsmann 26014 B1

Die Bertelsmann-Schallplattenring-Ausgabe der obigen Baccarola-EP.

 

Roten Rosen, Die (= Die Toten Hosen) Alle Mädchen wollen küssen (Be Mine) 87-?? Virgin 109 561
1

Coverversion der Peter-Kraus-Single von 1962 - sozusagen die Coverversion der Coverversion der Coverversion.

 

Rumble On The Beach Alle Mädchen wollen küssen (Be Mine) 93-?? Indigo 325436 3

 

 

 


Abb. und Infos: Harald Bluschke, Dietrich Heitz, Michael Jonas, Jürgen Koppelin, Henny de Leeuwe-Kleijngeld, Hermann "The German" Lembke, Klaus Link, Bernd Matheja, Thomas Meyer, Gerd Miller, Dieter Moll, Jan Reetze, Jörg Richard, Hartmut Schulla, Wolfgang Zschauer; Barry Cleveland: Creative Music Production; Covergalerie, Hamburger Abendblatt, Echoworld, Internet Movie Data Base, Karl-Franzens-Universität Graz, Memoryradio, Opernpalais, Rock'n'Roll-Schallplattenforum


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© 2006 Jan Reetze

last update: Mar 9, 2010