JOE MEEK


 

Joe Meek - ein Portrait

Teil 1: Die Anfänge

( here!)

 

Mit 14 verließ Joe Meek ohne Abschluss die Schule. Zeitlebens pflegte er eigenwillige grammatikalische Ideen und eine individuelle Rechtschreibung. Bereits als Kind war er begeisterter Elektronikbastler, machte eine Lehre als Radio- und Fernsehtechniker, bei der Royal Air Force wurde er Radarmechaniker. Nebenher zog er mit selbstgebastelten riesigen Lautsprecherboxen als DJ über die Dörfer und lieferte für eine Amateurtheatergruppe schrecklich-schöne Klangzuspielungen. Möglichst schaurige Autounfälle waren seine Spezialität.

1955, nach seinem Militärdienst, zog Meek nach London, hatte zunächst einen Job in der Werkstatt von Londons größtem Radio- und Fernsehgeschäft, in dessen Plattenabteilung er erste Kontakte zu Vertretern der Plattenindustrie knüpfte. 1956 wechselte er ins IBC-Studio (damals eines der größten Londoner Tonstudios), bediente dort zunächst Filmprojektoren, wurde dann jedoch dem Team zugeordnet, das durch die englische Provinz reiste, um in Zelten und Stadthallen die "People Are Funny"-Roadshows für Radio Luxembourg aufzunehmen. Er machte das so gut, dass er bald für Musikaufnahmen im Studio herangezogen wurde. Als "Junior Engineer" nahm er Stars wie Shirley Bassey oder Petula Clark auf, ohne selbst Einfluss auf die Gestaltung der Aufnahmen nehmen zu können. Legendäre Hits wie Petite Fleur mit Chris Barber's Jazzband & Monty Sunshine (1956) oder Lonnie Donegans Don't You Rock Me Daddy-O (1957) liefen durch von Meek aufgestellte Mikrofone, und manchmal - wie im Fall Petite Fleur, mehr noch aber am Beispiel von Humphrey Lytteltons Bad Penny Blues - kann man den "Meek-Touch" bereits ahnen.

Chris Barber's Jazzband & Monty Sunshine: Petite Fleur

Humphrey Lyttelton & Band: Bad Penny Blues

1957 eröffnete Denis Preston, Humphrey Lytteltons Produzent, ein eigenes Tonstudio und nahm Meek dorthin mit. Hier, in der Lansdowne Road, hatte Meek deutlich mehr Freiheit. Zeitweilig bastelte er sogar an einem quadrofonischen Aufnahmeverfahren für Filmmusik, aber anscheinend war es dafür noch zu früh; niemand wollte etwas davon wissen.

Auf die Dauer aber war das Angestelltendasein nicht nach seiner Mütze, außerdem konnte er als "Nur-Techniker", der die Klangvorstellungen der Musikproduzenten zu realisieren hatte, seine Fähigkeiten auch hier nur in Ausnahmefällen adäquat unterbringen. Er wollte selber als Produzent arbeiten, um freie Bahn für seine Ideen zu haben.

Die ersten Schritte dazu hatte er bereits gemacht: Im Schlafzimmer seiner Wohnung in Arundel Gardens 20 im Londoner Stadtteil Notting Hill hatte Meek ein winziges Studio eingerichtet und hatte dort (und heimlich nachts in Lansdowne) mit befreundeten Musikern testweise einige Aufnahmen produziert, die er an Plattenfirmen zu verkaufen versuchte; die erste war Sizzling Hot mit der Skifflegruppe Jimmy Miller & The Barbecues aus dem September 1957.

Meek schrieb bereits seit Mitte der 50er Jahre gelegentlich Songs. Einer davon fiel dem Produzenten George Martin in die Hände, der mit dem Sänger Eddie Silver eine Platte daraus machte: Put A Ring On Her Finger. Der Song floppte in England, aber in den USA hörten Les Paul & Mary Ford das Lied. 1958 nahmen sie eine Coverversion auf. Sie erreichte Platz 32 in den US-Charts.

Les Paul & Mary Ford: Put A Ring On My Finger

Durch diese Coverversion verdiente Meek erstmals Geld mit einer Komposition. Es folgten weitere Coverversionen des Songs, u. a. von Tommy Steele. Insgesamt brachte Meek diese (musikalisch nicht allzu bemerkenswerte) Komposition rund 3000 Pfund ein, was damals etwa drei bis vier Jahreseinkommen eines Durchschnittsangestellten entsprach.

Tommy Steele: Put A Ring On Her Finger

Mit diesem Erfolg als Visitenkarte konnte Meek schließlich seine Produktion Be Mine mit dem Sänger Lance Fortune bei Pye Records unterbringen (interessanterweise die Coversersion eines von Leo Leandros gesungenen deutschen Schlagers: Alle Mädchen wollen küssen; Details siehe hier) - und die Single wurde tatsächlich ein Hit; sie erschien im Januar 1960 und erreichte kurz darauf Platz 4 der britischen Charts.

Lance Fortune: Be Mine

 

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Quellen s. Teil 13


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© 2006 Jan Reetze

last update: May 18, 2010